Höhere Strafen für Täter… ein erzieherisches Mittel

Hin und wieder taucht in meinem privaten Umfeld die Diskussion um die Bestrafung der Täter auf. Heute hatte ich mit meinem Mitbewohner, auf dem Weg zum Supermarkt, wieder mal so ein Gespräch worauf hin ich beschloss ein paar Gedanken dazu aufzuschreiben. Seine Überlegung war – und die hatte ich von anderen schon oft gehört, dass eine höhere Bestrafung der Täter nichts bringen würde. Wem nichts bringen?, fragte ich ihn und würde dabei bereits ein bisschen wütend. Geduldig erklärte er mir, dass eine höhere Bestrafung Täter nicht abschrecken würde und es somit keine präventive Wirkung haben (als erzieherisches Mittel also ungeeignet sei). Und schon wieder denken alle an die Täter, murmelte ich. Überrascht schaute er mich an. Für mich hätte es eine Bedeutung und Wirkung gehabt. Hätte ich als Kind gesagt bekommen, sexualisierte Gewalt ist was soooo schlimmes, dafür kommt man 20 Jahre ins Gefängnis, das hätte mich als Kind durchaus beeindruckt. Aber stattdessen bekam ich von der Gesellschaft immer wieder gesagt, das was dein Vater mit dir macht, ist ja gar nicht so schlimm. Oder anders ausgedrückt, stell dich nicht so an. Weiterlesen

Über die Gleichsetzung von „Betroffenheit“ jeder Art von sexualisierten Angriffen in einer patriarchalen Gesellschaft

Wenn ich mit anderen Menschen versuche, über die möglichen Ursachen von sexueller Gewalt (1) gegen Kinder zu sprechen, stoße ich immer wieder auf ein Problem. In der Diskussion entsteht häufig so etwas wie eine Teufelskreis. Für mich steht fest, dass gesellschaftliche Macht- und Gewaltstrukturen die Ursache von sexueller Gewalt sind und sie auch immer wieder möglich machen. Es ist also nie (nur) ein persönliches, individuelles Geschehen zwischen zwei (oder auch mehreren) Personen. Wenn es nun darum geht, genau die zugrunde liegenden gesellschaftlichen Strukturen zu benennen sprechen wir natürlich auch über „rape culture“(2).
In der Diskussion um die Alltäglichkeit von Sexismus wird natürlich und ja auch ganz folgerichtig versucht sich bewusst zu werden, wo überall in unserem Alltagsleben wir (alle, die gerade diskutieren) mit diese Art von Gewalt konfrontiert sind. Weiterlesen