Schuld

Es gibt da ein Thema, das mich schon lange beschäftigt. Oder viel mehr beschäftigt es Ärzt_innen, Therapeut_innen und Psychiater_innen, mit denen ich immer wieder zu tun hatte. Vielleicht passt es besser, zu sagen: Es gibt da ein Thema, das mich schon lange begleitet. Die Überschrift zu diesem Thema könnte ‚Schuld‘ sein. Bei ProFamilia war ich mit 16 Jahren das erste Mal und habe mit Frau L. über die sexualisierte Gewalt zu Hause gesprochen. Das war sehr hilfreich. Ich habe mich wirklich verstanden gefühlt. Jahrelang bin ich immer wieder zu ihr gegangen und konnte dort offen über meine schlimmen Erfahrungen sprechen und sie hat mir Wege aus den Gewalt gezeigt. Ich bin ihr bis heute zutiefst dankbar.

Dennoch gab es in diesem ersten Gespräch eine Formulierung, die mir in ihrer Aussage immer wieder auch mit anderen (Therapeut_innen, Sozalarbeiter_innen, Freund_innen) begegnet ist und die mir nicht gefallen hat.In allen Einzelheiten kann ich mich nicht mehr an dieses erste Gespräch erinnern, aber ich erinnere mich, dass wir über Schuld und Schulgefühle sprachen. Ich weiß, dass ich ihr sagte, dass ich mich nicht schuldig fühle für das, was mein Vater getan hat. Ich war zu klein, um durchschauen zu können, was er tut. Schuldig gefühlt habe ich mich dafür nie. Frau L. antwortete: „Da sind Sie aber schon weiter als die meisten.“  Ich hatte zu der Zeit andere Sorgen, als mich an so einer Formulierung aufzuhalten. Erst später wurde mir klar, dass diese Aussage zwei Botschaften enthält: Zum einen, dass ich mich angeblich mal schuldig gefühlt habe und dieses Schuldgefühl dann anscheinend überwunden habe (sonst könnte ich ja nicht weiter sein). Zum anderen steckt die Botschaft in einer solchen Aussage, dass es völlig selbstverständlich wäre, sich als Betroffene von sexueller Gewalt grundsätzlich erst einmal schuldig zu fühlen. (Zudem drückt es aus, dass der Prozess der Auseinandersetzung immer gleich abläuft und es ein „weiter“ und ein „weniger weit“ gibt. Was an eine kapitalistische Logik anknüpft….)

Mir sind immer wieder (Fach-)Menschen begegnet, die durch unterschiedliche Formulierungen deutlich gezeigt haben, dass sie davon überzeugt sind, dass von (sexualisierter) Gewalt Betroffene sich automatisch schuldig fühlen. Oft denke ich, dass es nicht nur die Fachmenschen sind, die so denken. Sondern es scheint mir, als ob es einen gesellschaftlichen Konsens darüber gibt.
Ich habe mit vielen Betroffenen über diese Schuldgefühle gesprochen, die wir angeblich alle haben. Einige kennen das Gefühl, sich selbst die Schuld zu geben; die meisten, mit denen ich sprach, aber nicht. Das finde ich erstaunlich, da es doch von so vielen Seiten auf uns einströmt, dass wir uns schuldig fühlen würden.

Wieso hält sich dieser Mythos so stark, dass wir Betroffenen uns ständig selbst Schuld für die erlebte Gewalt geben würden?

Ich habe keine fertige Erklärung für dieses Phänomen, aber ich habe einige Ideen zu einer möglichen Deutung:

Sexuelle Gewalt ist kein neues Phänomen, aber tatsächlich hat sich die Deutung dessen historisch sehr gewandelt1 .
So gab es z.B. zu Zeiten der Aufklärung erhebliche Bedenken daran, ob es überhaupt möglich sei, jemanden gegen seinen_ihren Willen zu sexuellen Handlungen zu zwingen. Es wurde davon ausgegangen, dass, sobald sexuelle Handlungen bei der Gewalt eine Rolle spielen, die betroffene Person damit einverstanden sein müsse – denn wäre sie es nicht, so hätte sie sich mehr gewehrt, so dass es gar nicht zu diesen Handlungen hätte kommen können. Das ist keine Übertreibung von mir an dieser Stelle. Solche Verdrehungen waren durchaus üblich (und rechtsgültig). Wenn die Betroffene es also nicht wollte, war sie ganz klar (auch im juristischen Sinne) selbst Schuld. Sie hätte sich ja (mehr) wehren können.2
Auch als sich die Gesetze und die Rechtsprechung langsam änderten, ging es erst einmal um die Frage der Schuldklärung. Lange Zeit war es üblich, zu ‚prüfen‘, wie lange sich eine Betroffene gewehrt habe. Es wurde davon ausgegangen, dass eine Person, wenn sie aufhörte, sich zu wehren, ihre Meinung geändert habe und „der anfängliche Widerstand der Angegriffenen in  Einwilligung überging“ (In: Christine Künzel, S. 123, siehe Fußnote 1).

Die betroffene Person ist also wieder im juristischen Sinne schuld. Später ging es dann (und das ist vielen heute noch bekannt) darum, was die Betroffene für Kleidung getragen habe (also ob sie auf diese Art die Gewalt verursacht habe und deshalb schuld sei). Es wurde auch geprüft wie der Ruf der betroffene Person sei, ob sie möglicherweise ein ‚leichtes Mädchen‘ sei. Es gab und gibt so viele Möglichkeiten, Betroffenen Schuld zu geben. Immer wieder setzen sich Menschen (überwiegend Frauen, vermutlich überwiegend Betroffene) dafür ein, dass sich eine gesellschaftliche Sicht auf Betroffene ändert.

Nur sehr – sehr langsam ändern sich die Gesetze. Auch heute sind sie (fast?) überall noch haarsträubend.

Spannend finde ich, dass es auch in psychologischen Theorien und Praxen eine Beschäftigung mit der Schuld von Betroffenen gibt. Natürlich gibt es unterschiedliche Strömungen mit unterschiedlichen Meinungen, aber es scheint dennoch einen psychologischen Mainstream zu geben, in dem sich die Idee, Betroffene hätten Schuldgefühle, durchsetzt. Die Erklärungen sehen meistens so aus, dass dieses Schuldgefühl ganz direkt mit der sexuellen Gewalt verknüpft sei. Es kommt also irgendwie aus der Betroffenheit, bzw. aus der Gewalt selbst. Also sehr klassisch im Denken des psychologischen Mainstream: Es ist ein individuelles (und überhaupt und rein gar nicht ein gesellschaftliches) Phänomen, das aber zufällig alle – oder zumindest die meisten – Betroffenen betrifft. Also werden Schuldgefühle hier eher im Sinne eines Symptoms, das zu einer Krankheit gehört, verstanden.

Und wie kommt dieses Denken in psychologisches ‚Wissen‘?
Diese Frage zu beantworten, ist bestimmt genauso schwierig, wie die Frage, wie das Denken ins Rechtssystem gelangt ist. Und natürlich ist dieser Blogeintrag keine wissenschaftliche (Diskurs-)Analyse.
Aber ich möchte diesen Blog nutzen, um ein paar Vermutungen zu äußern, wie es sein könnte.
Recht, Rechtsprechung und Rechtssysteme sind sehr viel älter als Psychologie und die Wissenschaft um psychologisches Denken.3

Und genau wie das Rechtssystem hat sich das psychologische System nicht aus dem Nichts erschaffen. Es baut auf dem auf, was gesellschaftlich vorhanden ist. Soweit ich weiß, hat es sich die Psychologie (soweit es eine ‚die Psychologie‘ gibt) nicht zum Ziel gesetzt, Machtverhältnisse abzuschaffen. Warum sollten also nicht, vorhandene Machtstrukturen – wie victim blaming, Sexismus etc. – in die Theorien und Praxen mit übernommen worden sein?
Meine Frage an dieser Stelle ist: Wurde die Idee, Betroffenen die Schuld zu geben, von der Psychologie aus dem Mainstream (und z.B. dem Rechtssystem) übernommen?
Wenn ich mir nur das Rechtssystem anschaue, könnte ich vermuten, dass sich die Situation für Betroffene verbessert hat. Ich könnte aber auch vermuten:
Dass sich die Idee, den Betroffenen die Schuld zu geben, von dem Rechtssystem langsam entfernt (was nicht heißt, dass es dort nicht mehr zu finden sei) und vom psychologischen Denken übernommen wird. Nach langen Kämpfen innerhalb des juristischen Systems, in denen versucht wurde deutlich zu machen, dass die Betroffenen keine Schuld tragen, wird nun (so meine Vermutung) sehr geschickt von der Psychologie die Schuld in Form des Schuldgefühls aufgegriffen den Betroffenen wieder gegeben.

Und so kommt es dann zu Situationen wie der,  dass ich als 16 jährige vor einer (sonst sehr guten) Beraterin sitze und sie mir indirekt sagt, dass ich mich mal schuldig gefühlt haben müsste – dass es normal sei, wenn ich mich schuldig fühlen würde – bzw. dass ich unnormal sei, weil ich mich nicht schuldig fühlte. ‚Zum Glück‘ für sie hatte sie ja eine passende Erklärung, damit ihr Bild der sich schuldig fühlenden Betroffenen nicht gestört wird. „Da sind Sie aber schon weiter als die meisten.“.
Und so wird uns die Schuld gegeben! Ob wir sie annehmen, bzw. welche Möglichkeiten wir haben, sie nicht anzunehmen, ist dann noch mal eine andere Frage.

Ich glaube nicht, dass sich Betroffene (Kinder) von sexualisierter Gewalt generell schuldig fühlen. Ja, manche fühlen sich schuldig, aber vielen wird ihnen dies auch nachträglich (z.B. von Helfer_innen) eingeredet. Ich glaube, die Idee, dass Betroffene sich schuldig fühlen würden, hat mehr mit dem Mainstream zu tun, als mit den Betroffenen oder der Gewalt an sich.
Bei näherem Betrachten bleibt fraglich, ob ein Schuldgefühl ganz ’natürlich‘ durch (sexuelle) Gewalt entsteht. Dennoch scheint das ‚Wissen‘ darüber in den Mainstream übergegangen zu sein.

Ich finde es verletzend und verwirrend, dass mir z.B. Psychotherapeut_innen oder Berater_innen Gefühle zuschreiben und mir so die Schuld erst geben, um mir anschließend zu erklären, dass ich mich nicht schuldig fühlen muss.

Auch wenn das bisher Überlegungen sind und ich nicht mit Sicherheit sagen kann, dass ich wüsste, das es so sei, finde ich es wichtig folgende Fragen im Blick zu haben:
Wem nützt dieses Denken, dass Betroffene sich generell schuldig fühlen würden? Einem Umfeld, das nicht wahrhaben will, dass es immer wieder weg schaut, ohne dass die Gewalt davon verschwindet?  Oder vielleicht einer Gesellschaft, die die Schuld für die Gewalt (mit)trägt? Oder den Betroffenen?

Ich denke, es ist die moderne Art, den Betroffenen die Schuld zu ‚geben‘ und zwar in Form eines zugeschriebenen Schuldgefühls.

  1. Sehr gut nachzulesen in ‚Unzucht – Notzucht – Vergewaltigung – Definitionen und Deutungen sexueller Gewalt von der Aufklärung bis heute‘ von Christine Künzel (Hg.). Dieses Buch mit diesem furchtbaren Titel ist eine wahre Fundgrube an feministischen Analysen über die Gesetzeslage zu sexueller Gewalt im deutschsprachigen Raum und ihre historische Entwicklung. Ich persönlich finde es anstrengend zu lesen, weil es immer wieder explizite Beschreibungen von sexueller Gewalt enthält, diese sind aber immer relevant für die feministische Analyse. Ein wirklich gutes Buch. []
  2. Ob etwas als sexualisierte Gewalt im juristischen Sinne eingeschätzt wird oder nicht, hängt auch heute noch davon ab, ob und inwiefern eine betroffene Person körperliche Widerstand geleistet hat und/oder davon welche Gewaltanwendungen oder Gewaltandrohungen der T_äter über die sexualisierte Gewalt hinaus gebraucht hat. []
  3. Nagut, vielleicht ist es etwas voreilig zu behaupten, ich wusste seit wann es ‚das Recht‘ und seit wann es ‚die Psychologie‘ gäbe. Zum Glück für mich, ist das hier kein wissenschaftlicher Artikel, sondern ein Blog auf dem ich meine Überlegungen zu dem Thema aufschreiben, so dass ich einfach aus dem Wikipedia-Artikel zur Geschichte der Psychologie zitieren kann: „‘Die Psychologie hat eine lange Vergangenheit, doch nur eine kurze Geschichte (Ebbinhaus). Die Wurzeln dieser Disziplin reichen weit in die Vergangenheit zurück, als anerkannte Wissenschaft jedoch gibt es die Psychologie erst seit dem 19. Jahrhundert.“ D.h., wenn ich Psychologie als Wissenschaft begreife, die eine bestimmte Machtposition innerhalb einer Gesellschaft hat, dann macht es Sinn zu sagen, ‚das Rechtssystem gibt es länger als die Psychologie‘. Denn Rechtsprechungen, die auch eine bestimmte Macht inne haben, lassen sich bis ins Alte Testament zurück verfolgen. []

8 Gedanken zu „Schuld

  1. Liebe Autorin,

    das ist ein grandioser Beitrag! Genau dieses Thema ist mir schon oft durch den Kopf gegangen und vor allem auch sauer aufgestoßen, mit welcher Selbstverständlichkeit davon ausgegangen wird, dass Betroffene sich für das ihnen Angetane schuldig fühlen würden bzw. müssten. Auch Aktionen wie die Video-Kampagne, in der UnterstützerInnen Betroffenen versicherten, sie seien nicht schuld, sehe ich daher – bei allem guten Willen, der dahintersteckt – skeptisch. Bisher dachte ich, dass ich mit meiner Kritik alleine dastehe.
    Ich habe diesen Artikel soeben auf unserer Facebook-Seite geteilt.

    Viele Grüsse,
    Gunhild

  2. Hallo Gunhild,
    vielen Dank für deinen Kommentar und auch dafür, dass du den Beitrag auf Facebook teilst. Ich finde es gut zu hören, dass du dich in dem Beitrag wieder finden kannst. Das ist sehr gut für mich zu hören und ermutigt mich weiter solche Gedanken und Beobachtungen auf diesem Blog zu teilen.
    Ich habe auch gemerkt, dass es nicht immer so einfach ist mit anderen Betroffenen über das Thema Schuldgefühle ins Gespräch zu kommen, ich möchte ja niemanden die erlebten Gefühle absprechen. Aber ich denke eben auch, dass es sehr wichtig ist den Raum für Gespräche zu öffnen, dass viele Betroffene diese Schuldgefühle eben gar nicht haben. Ich wünsche mir darüber im privaten sowie im politischen Umfeld mehr Auseinandersetzung und Gespräche.

  3. Ich finde deine These sehr spannend und interessant. Da ich aber nachdem ich sexuelle Gewalt erlebt habe mich sicherlich schuldig gefühlt habe, ohne dass mir das jemand eingeredet hat, kann ich hier vielleicht ein Lanze für die Therapeuten und das Schuldbild brechen, das zumindest bei mir in der Therapie auch immer wieder zur Sprache kam.
    Btw. ich bin mir so sicher, dass ich mich schuldig gefühlt hatte, weil ich es nach dem übergriff selbst aufgeschrieben hatte, als ich nicht mehr sprechen konnte. In meinem Blogartikel ( http://gewalt.rene-pickhardt.de/2015/10/22/gewalt-gegen-maenner-du-bist-doch-staerker-maenner-sind-keine-opfer/ ) findet man ein Foto, von dem Zettel auf dem steht, wie ich mich dafür entschuldige, dass das passiert ist und dass ich selbst Schuld sei.

    Ich war im nachhinein auch sehr irritiert, dass ich sowas auf den Zettel geschrieben habe. Mir wurde erklärt, dass das Schuldig fühlen eine psychologisch gesehen gesunde Reaktion ist. Wenn ich mich unschuldig gefühlt hätte, wäre ich hilflos und das Gefühl der Hilflosigkeit und starre führe eben oft zu den Traumafolgeerkrankungen bei Gewalt. Davor versucht die Seele sich zu schützen, in dem sie ein Schuldgefühl entwickelt. Wenn ich mich schuldig fühle stellt mich das ein Stück weit aus der Hilflosigkeit und gibt mir Verantwortung und Handlungsspielraum. So zu mindest die Erklärung die mir präsentiert wurde.

    Mein Eindruck ist, dass in dieser Erklärung durchaus psychologisches Grundverständnis steckt. Dennoch finde ich deine These, dass es juristische oder gesellschaftliche Vorstellungen sein könnten die zu diesem psychologischen Modell und Grundveständnis führen sehr spannend. Strukturelle Gewalt ist ja leider oft sehr schwierig zu erkennen, selbst wenn man direkt betroffen ist.

    • Lieber Rene,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Für mich ging es beim Schreiben des Textes nicht darum zu behaupten, allen Betroffenen werden diese Schuldgefühle nur eingeredet. Mir geht es erst einmal darum festzustellen, dass es nicht stimmt, dass alle Betroffenen Schuldgefühle haben. Und wenn dich die These empowerd, dass Schuldgefühle ‘gesund‘ und ‘notwendig‘ sind, dann freut mich das zwar für dich, würde aber für uns anderen (die sich nicht schuldig gefühlt haben) bedeuten, dass mit uns etwas nicht stimmt. Ich verstehe die Überlegung, dass uns die Psyche Schuldgefühle ‘macht‘, um uns zu suggerieren, wir hätten einen Handlungsspielraum gehabt, was sich bestimmt auch irgendwie ermächtigend anfühlt. Aber darum geht es mir in diesem Text nicht. Ich möchte gerne, dass wir mehr darüber ins Gespräch kommen, was 1.) mit denen ist, die sich nicht schuldig gefühlt haben, und zwar möchte ich auf eine nicht pathologisierende Art und Weise darüber reden. Und 2.) darüber, was mit dem psychologischen Mainstream los ist. Warum werden auch Betroffene, die von sich sagen keine Schuldgefühle zu haben, mit Kommentaren (oder schlimmeres) diesbezüglich genervt (und so weiter). Und damit wären wir wieder am Anfang meines Textes.
      Auch wenn ich manche Dinge anders sehe als du, freue ich mich sehr über deinen Kommentar.
      Vielen Dank und viele Grüße,
      Judith

  4. Vielleicht ist das bei kindlichen Opfern anders? Weil es klar ist, dass das Kind dafür nichts kann?

    Ich wurde als Erwachsene vergewaltigt. Mir wurde gesagt, auch teilweise von Missbrauchsberatungsstellen, dass ich ja kein Kind mehr gewesen wäre, ich hätte ich wehren können, wenn ich nicht wollte.

    Oder es gibt viele Berater, die – ohne von meiner Vergewaltigungserfahrung zu wissen – sagen, dass nur Kinder vergewaltigt werden würden, weil sie wehrlos seien, Erwachsene könnten nicht vergewaltigt werden, weil sie sich wehren könnten.

    Der Täter war zudem verheiratet, ich kannte die Ehefrau. Da habe ich mich ihr gegenüber schuldig gefühlt, sozusagen von Frau zu Frau, dass ich die Vergewaltigung nicht verhindern konnte (ich hätte auch keinen einvernehmlichen Sex mit einem verheirateten Mann gehabt).

    • Hallo Mel,
      was du erzählst klingt furchtbar. Es tut mir so Leid für dich, dass du so etwas furchtbares erfahren musstest. Nach so dummen und überhaupt nicht hilfreichen Beratungs-Erlebnissen hätte ich vermutlich auch Schuldgefühle. Ich hoffe sehr, dass es irgendwann einen anderen Umgang und eine andere Diskussion mit und über Schuld und Schuldgefühle geben wird. Auch damit so furchtbare Beratungen, sowie Schuldgefühle einreden nicht mehr stattfinden kann.
      Alles Gute und viele Grüße,
      sehr erschüttert,
      Judith und Martina

  5. Ich denke, dass bei jeder generalisierende Aussage „bei (xyz) Betroffenen ist das so und so (weil …)“ Betroffene (falsch) fremddefiniert werden. Auch wenn die jeweilige Aussage für viele Betroffene stimmig ist.
    Viele Grüße von Ulric.

    PS: Ich bin gerade über die Diskussion hier gestolpert weil ich beim Lesen des Satzanfangs »Dass Scham, Depression und Rückzug natürliche Reaktionen auf eine Vergewaltigung sind, steht dabei ebenso unhinterfragt fest …« an den Blogpost hier denken musste …
    Trump, sexuelle Gewalt und der Feminismus – Gesellschaft – Süddeutsche.de

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