Sexualisierte Gewalt und Machtverhältnisse

Die Annahme, die ich hier diskutieren möchte ist, dass sexualisierte Gewalt ein Ausdruck von Macht ist, Sexismus EIN Machtverhältnis unter vielen ist und sexualisierte Gewalt somit auch ein Ausdruck von anderen Machtverhältnissen wie Rassismus, Transphobie, Homophobie, Ableismus, Adultismus etc. sein kann – und nicht ausschließlich und alleinig von Sexismus.

In der letzten Zeit, haben sich Gespräche mit Freund_innen um ein scheinbar kleines, aber wie ich finde doch relevantes Phänomen gedreht: Weiterlesen

Familienbilder

Leider komme ich von Zeit zu Zeit in die Situation, dass plötzlich und unvorbereitet jemand von mir verlangt einem T*äter (bisher tatsächlich ausschließlich cis Männer) die Hand zu schütteln. Dann nämlich, wenn befreundete Personen, die in der Kindheit sexualisierte Gewalt erlebt haben, wieder Kontakt mit ihrer Herkunftsfamilie aufgenommen haben. Die T*äter sind nun alt und in der Wahrnehmung meiner Freund*innen haben sie sich verändert…Was bedeutet, dass meine Freund*innen kein Problem darin sehen, mich in so eine Situation zu bringen. Weiterlesen

Sexualisierte Gewalt unter dem Deckmantel von Diagnosen

Ein Beitrag von Jey                                                                                                              verqueert@gmx.de

Gewalt beginnt dort, wo Menschen in ihrer persönlichen Freiheiten eingeschränkt werden.
Dies können bereits Situationen, Orte oder Gruppen sein, die gemieden werden müssen, um nicht beleidigt, bedroht oder belästigt zu werden.
Diskriminierungen begegnen Frauen* und Mädchen* täglich im Alltag. Egal ob in der Werbung, in den Medien oder dem Internet.
In unzähligen Situationen sind Frauen* und Mädchen* von tätlicher sexualisierter Gewalt bedroht in Form von Vergewaltigung, Nötigung oder sexuellem Missbrauch.
Bei diesen extremen Formen von sexualisierter Gewalt wird Sexualität als Machtdemonstration benutzt und die Täter nutzen ihre Machtposition, um Frauen und Mädchen sexuell auszubeuten.
Dabei werden die Persönlichkeit und die körperliche Unversehrtheit massiv Verletzt und eigene Grenzen massiv überschritten.
Die Polizei registriert jährlich 7.000 – 8.000 Vergewaltigungen und ca.11.000 Fälle von Kindesmissbrauch in Deutschland1 – die Dunkelziffern liegen weitaus höher.

Obwohl Studien ergeben haben, dass fast jede 7. Frau in ihrem Leben sexuelle Gewalt erfahren musste2, bleibt sexualisierte Gewalt meist eine Privatsache der einzelnen Person. Weiterlesen

  1. laut bfff []
  2. Bundesdeutsche Repräsentativstudie zur Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen []

Workshop „Der Einfluss von Diagnosen auf unsere Auseinandersetzung mit der erlebten sexualisierten Gewalt“

Hier die Ankündigung für einen Workshop, auf den wir gerne hinweisen:

Wir möchten mit Euch über einen selbstbestimmten Umgang mit der eigenen Gewaltgeschichte diskutieren!

Wir: Das sind zwei Feministinnen – 31 Jahre und 57 Jahre alt -, die in ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt erfahren mussten.

Wir stellen uns folgende Fragen: Warum hat sich vielfach der Blick auf mögliche Auswirkungen sexualisierter Gewalt in den letzten Jahrzehnten verändert? Wenn meine „Symptome“ diagnostiziert werden als Ausdruck einer psychischen Erkrankung, verhindert dies das Begreifen, dass meine „Symptome“ eine normale Reaktion auf Gewalt sind? Warum lassen wir uns diagnostizieren und damit für krank erklären?

Sind bestimmte Fragen ein Zeitphänomen? Ist das eine Frage des Alters? Ist das abhängig vom Ort, an dem wir leben und davon, welchen Zugang wir zur Bestimmung von Ursachen sexualisierter Gewalt haben?

Wir freuen uns auf einen mutigen, ehrlichen, strittigen und respektvollen Austausch mit Euch!!!

Dieser Workshop ist für Frauen*Inter*Trans*, die von sexualisierter Gewalt betroffenen waren (oder die es vermuten)

Ort: Tauwetter e.V. Gneisenaustr. 2a: im Mehringhof, 2. Hinterhof, Aufgang 3, 2. OG

Zeit: Sonntag 22.1.17, 18-21 Uhr

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Hierfür Worte zu finden und diese Gefühle zu thematisieren, ist für mich sehr politisch

Manche Begegnungen können einen wirklich sehr überraschen. Gestern war ich mit einer Arbeitskollegin was trinken. Eine Person, bei der ich mich immer wieder frage, was wir gemeinsam haben und dennoch merke ich, dass wir connecten. Wenn wir uns unterhalten, merke ich, dass unsere Gespräche tief gehen. Wir kommen aus – politisch betrachtet – unterschiedlichen Richtungen, auch wenn ich uns beide als im weitesten Sinne links einschätzen würde.

Als wir uns gestern unterhielten, kam unser Gesprächsthema irgendwann auf ‚Verzeihen‘. Klar, dass ich sofort an ‚T_äter verzeihen‘ gedacht habe und wie absurd ich das finde. Weiterlesen

Schuld

Es gibt da ein Thema, das mich schon lange beschäftigt. Oder viel mehr beschäftigt es Ärzt_innen, Therapeut_innen und Psychiater_innen, mit denen ich immer wieder zu tun hatte. Vielleicht passt es besser, zu sagen: Es gibt da ein Thema, das mich schon lange begleitet. Die Überschrift zu diesem Thema könnte ‚Schuld‘ sein. Bei ProFamilia war ich mit 16 Jahren das erste Mal und habe mit Frau L. über die sexualisierte Gewalt zu Hause gesprochen. Das war sehr hilfreich. Ich habe mich wirklich verstanden gefühlt. Jahrelang bin ich immer wieder zu ihr gegangen und konnte dort offen über meine schlimmen Erfahrungen sprechen und sie hat mir Wege aus den Gewalt gezeigt. Ich bin ihr bis heute zutiefst dankbar.

Dennoch gab es in diesem ersten Gespräch eine Formulierung, die mir in ihrer Aussage immer wieder auch mit anderen (Therapeut_innen, Sozalarbeiter_innen, Freund_innen) begegnet ist und die mir nicht gefallen hat. Weiterlesen

Wo beginnt Gewalt gegen Kinder? (Ein Puzzel- Teil 2)

Neulich Abend war ich auf einer Veranstaltung, es ging/ es sollte um Feminismus gehen, um die Frage:“ Welche feministischen Bewegungen brauchen wir heute? Und wer sind wir?“ Zu Beginn gab es ein Theaterstück von hauptsächlich jungen Menschen zu diesem Thema.
Auf dem anschließenden Podium saßen feministische Aktivist*innen mit sehr unterschiedlichem Hintergrund, sehr unterschiedlichen Diskriminierungserfahrungen, allerdings alle schon länger mündig und alle Akademiker*innen.
Es ließe sich viel generell über die Moderation sagen, die sich aus meiner Wahrnehmung in vielen Fallstricken verfing und auch einiges über mehr oder auch eher weniger reflektierte Beiträge der Menschen auf dem Podium, aber darum geht es mir hier nicht.
Da es ein bisschen auch Fishbowl sein sollte, gab es auf dem Podium auch einen Stuhl für wechselnde Menschen aus dem Publikum zum Mitdiskutieren. Irgendwann setzte sich ein*e mutige* 16 jährige* mit auf das Podium. Die Moderatorin sprach sie* an im Sinne von: „Du bist also Feminist*in“. Die junge Frau* kicherte ein bisschen und antwortete, dass sie* es nicht weiß. Darauf die Moderatorin:“ Aber Du hast doch gerade in dem Theaterstück mitgespielt, da ging es doch um ungleiche Bezahlung von Frauen* und Männern* und darum, dass Männer* auch Hausarbeit machen und die Kinder betreuen sollen. Dann bist Du doch Feminist*in.“ Sie antwortete:“Wenn Sie das sagen, dann ist das wohl so“. Weiterlesen

Über die Silvesternacht am kölner Hauptbahnhof

Inspiriert durch die beschissenen Kommentare meiner – politisch im Mainstream verhafteten  –  Arbeitskolleg_innen, habe ich beschlossen mir hier kurz Luft zu machen:
Von den Ereignissen in der Silvesternacht am kölner Hauptbahnhof habt ihr bestimmt gehört oder gelesen. Unabhängig voneinander benennen viele Frauen*, dass ihnen sexuelle Gewalt angetan wurde. Zwar nicht von der selben Person, aber doch am relativ selben Ort zur selben Zeit.

Mich als Betroffene sexueller Gewalt macht es wütend, dass ich jetzt mich nicht einfach darüber freuen kann, dass hier sexuelle Gewalt endlich klar als solche benannt und in den Medien öffentlich thematisiert wird. Sondern ich muss aufpassen, dass ich nicht  in eine Position gerate, in der ich anfange T_äter zu verteidigen, weil ich mich gegen eine rassistische Deutung stelle, wie sie zur Zeit in den Medien verbreitet wird.
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Therapieabbruch als politische Entscheidung

Wir freuen uns diesen Artikel einer Gastautor*in zu veröffentlichen und hoffen auf eine spannende Diskussion:

Therapieabbruch als politische Entscheidung

Oder: Was könnte es heißen, „Psyche“ und „Politik“ miteinander zu integrieren?

Ich habe eine Psychoanalyse ungefähr im dritten Jahr abgebrochen. Meine Therapeutin war, wie mir zunächst schien, die beste, die ich in diesem Therapieansatz hätte finden können. Ganz abgesehen von ihren menschlichen und intellektuellen Fähigkeiten wirkte sie auf mich „aufgeklärt“ – im Sinne von feministisch geschult und offen für linkspolitisches Gedankengut, wenn auch sicherlich nicht umfassend politisiert. Dass ich mich selber im Laufe der Therapie zunehmend politisierte, schien jedoch mit der therapeutischen Arbeit zu kollidieren.

Strukturelle Gründe statt persönlicher Vorwürfe Weiterlesen